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Ökologie und Vorkommen

 

Verbreitungsgebiet

Das natürliche Areal der Vogel-Kirsche erstreckt sich über große Teile Europas (mit Ausnahme von Nordosteuropa und Teilen der Mittelmeerküsten) bis nach Vorderasien und Nordafrika. Dabei ist man heute am Rande des Areals allerdings oft nicht sicher, ob die Vorkommen dort von Anpflanzungen aus verwildert sind oder schon natürlich vorhanden waren.
Eingebürgert ist die Vogel-Kirsche auch in Nordamerika und Vorderindien. Schon in der Stein- und Bronzezeit wurde der Kirschbaum wegen seiner Früchte nördlich der Alpen genutzt, das weiß man von Kirschkernfunden in Pfahlbauten. Kultiviert wird er hier seit etwa 2.000 Jahren. Es ist eine häufige Baumart des Flach- und Hügellandes, sie kann Ihnen aber auch in über 1.000 m Höhe begegnen, z.B. im Schwarzwald und in den Alpen, im Gebirge wächst sie schließlich nur noch strauchförmig.
Die höchsten bekannten europäischen Vorkommen sind mit fast 1.700 m Höhe in den Alpen beschrieben, vermutlich dort auch mit Unterstützung des Menschen (im Kaukasus werden 2.000 m erreicht).


Nährstoff- / Feuchtigkeitsbedarf

Die Vogel-Kirsche ist eine Halbschattenbaumart: in der Jugend ist sie relativ schattentolerant, braucht dann aber bald mehr Licht und im Alter eine freie Krone.
Hinsichtlich der Ansprüche an Nährstoffe und Feuchtigkeit ist sie sehr genügsam, sie kann sogar als Pionierbaum auf Schuttflächen wachsen (in vielen Büchern steht, dass die Vogel-Kirsche sehr anspruchvoll an den Boden sei – das ist nicht richtig).
Aufgrund ihrer Hitze- und Trockenheitstoleranz wird sie tendenziell vom Klimawandel eher profitieren, weil sie dadurch gegenüber anderen Baumarten konkurrenzkräftiger wird. Ihr Vorkommen konzentriert sich auf Waldränder, Südhänge und Auenwälder, in denen sie 7 Wochen Überflutungen aushält. Sie ist sehr frosthart, allerdings spätfrostempfindlich – vor allem für die Blüten ist das ein Risiko, denn dann gibt es keine Früchte. Dies ist mit ein Grund, warum die später blühende Sauer-Kirsche im Obstbau heute bevorzugt wird.

Lebensraum

Kirschbäume sind ein wichtiger Lebensraum: hier sind als erstes die Bestäuber Bienen, Hummeln u.a. zu nennen, für welche die Kirschblüte einer der Höhepunkte ihres Lebens ist. Auf dem Körper einer Biene hat man bis über eine Million Pollenkörner gezählt!
Außerdem sind viele Vogel- und Säugetierarten sehr scharf auf die Früchte (daran hatten Sie sich beim Namen Vogel-Kirsche ja auch gleich gedacht). Dabei scheiden sie nach dem Fressen die unverdauten Kerne wieder aus und tragen so zur Verbreitung bei. Kernbeißer können die Kerne knacken. Mäuse, Eichhörnchen, Fuchs und Dachs legen sich Wintervorräte mit Kirschkernen an und vergessen dann teilweise, wo sie sie versteckt haben. So kommt es zu Kirschbaumgruppen in der Landschaft.
Pilze können den Stamm, Äste, Blätter und die Früchte besiedeln, Raupen an den Blättern, Blüten und Früchten fressen. Alte Kirschbaumstämme können vom seltenen Hirschkäfer besiedelt werden.

Krankheiten und Schäden

Die Pflanzen der Vogel-Kirsche werden gerne vom Wild verbissen und die Wurzeln junger Bäume gerne von Mäusen gefressen. Die Früchte sind eine wichtige Tiernahrung (s. oben).
Es gibt eine Reihe von Krankheiten und Schadfaktoren, die für Kirschbäume gefährlich werden können, allerdings weniger einzeln im Wald stehenden Bäumen.

Hier ist zunächst noch einmal auf die Spätfrostempfindlichkeit hinzuweisen, weshalb im Obstbau Kaltluft-Standorte wie Senken und Täler gemieden werden. Gefürchtet sind einige Bakterien- und Viruskrankheiten (was bei anderen Baumarten selten ist), z.B. Bakterienbrand und Kirschenblattrollvirus.

Als Reaktion auf Stamm- und Astverletzungen kann der Kirschbaum einen auffälligen Gummifluss entwickeln, der in Blasen austritt und nach Härtung an der Oberfläche wie Bernstein in der Sonne glitzert (auch Katzengold genannt, weil man so früher Dinge bezeichnet hat, die wertvoller aussehen als sie sind – ich möchte hier aber gegen diese Verleumdung von Katzen protestieren).

Auch Stamm und Blätter können von Pilzkrankheiten befallen werden, die im Obstbau zu Problemen führen. Einige Insektenarten bewirken Schäden an Blüten und Früchten. Zu all dem Genannten gibt es umfangreiche Spezialliteratur, wegen der Bedeutung im Obstbau.