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»Alle außer der Fichte!«


Interview mit Olaf Tschimpke, Präsident des Naturschutzbundes Deutschland (NABU)


Olaf Tschimpke, Foto: NABU/S. Engelhardt

Dr. Silvius Wodarz von der Baum des Jahres Stiftung (BdJ), Foto: privat

BdJ: Welche Intentionen verfolgt der NABU durchseine Mitwirkung im Kuratorium Baum des Jahres? JedesMitglied hat nur eine Stimme und da könnte derNABU auch sagen, was solle er in einem so großen Gremium.Warum wirken Sie dennoch mit?

Olav Tschimpke: Als Deutschlands größte Naturschutzorganisation ist es fü uns selbstvers tändlich, unsere Stimme einzubringen. Es geht ja darum, jedes Jahr eine Baumart in den Mittelpunkt der öffentlichen Debatte zu stellen. Das ist eine gute Sache, denn die meisten Menschen kennen wahrscheinlich relativ wenige Baumarten.

BdJ: Sie haben 2015 die Schirmherrschaft für den Feldahornals Baum des Jahres übernommen. Warum war das für Sie wichtig?

Tschimpke: Immer mehr Mesnschen leben in Städten und haben de shalb wenig  direkte Zu gänge zum Thema Natur. Gar nicht so sehr, weil sie das nicht wollen, sondern weil das Umfeld dies nicht mehr zulässt. Von daher ist die Aktion Baum des Jahres absolut wichtig und notwendig.

BdJ: Welche Kriterien spielen bei den Entscheidungen des NABU für den Jahresbaum eine Rolle?

Tschimpke: Unser Leitbild ist das der naturnahen Waldwirts c haft.  Beim Baum des Jahr es orientier en wir uns natürlich im Wesentlichen an der Bedeutung für den Naturschutz. 

BdJ: Unsere Stiftung erklärt, jede Baumart mit Heimatrecht solle einmal Baum des Jahres werden. Stimmen Sie dem uneingeschränkt zu?

Tschimpke: Natürlich, denn jede Baumart hat wie jede Tier- und Pflanzenart ihr Existenzrecht. Aber al s Naturschutzorganisation haben wir einen besonderen Fokus.

BdJ: Ihr Vertreter im Kuratorium Baum des Jahres hatbei der letzten Abstimmung zu Protokoll gegeben: »Alle außer der Fichte!« Auch wenn man sie als Problembaumart sieht, sollte man sie nicht gerade deshalb zur Diskussion stellen?

Tschimpke: Wenn man das möchte, kann man das tun. Der NABU  hat auch den Korm oran zum Vogel des Jahres gekürt und damit eine heftige Diskussionmit der Fischerei und anderen Verbänden ausgelöst. Das kann man auch bei der Fichte tun, wenn man eine kontroverse Diskussion will, auch über die Perspektiven im Klimawandel und darüber, welche Auswirkungener auf den Wald und die Forstwirtschaft haben wird.

BdJ: Der Kormoran ist natürlich ein Paradebeispiel, dass man so eine »Problemart« auch mal nennen kann und, ich würde sagen, auch nennen muss.

 

Tschimpke: Ja, eine öffentliche Debatte anzustoßen, gehört dazu. Zielkonflikte gib t es bei d er Waldwirtschaft auch, und die muss man dann auch öffentlich diskutieren. Am Ende muss es ein gesellschaftliches Übereinkommen geben, in welche Richtung man gehen will.    

BdJ: Was muss getan werden, um die Bedeutung der Bäume mehr in das Bewusstsein der Menschen zu bringen?

Tschimpke: Dieses Thema müsste viel mehr eahrgenommen werden, gerade im Bereich der Umweltbildung. Es spielt immer nur als Teilaspekt in anderen naturschutzpolitischenThemenfeldern eine Rolle. Eigentlich müsste man erst einmal von der Bedeutung des Baumes für ein Ökosystem ausgehen. Leider tauscht man sich in der schulischen Umweltbildung über diese Grundlagen nicht aus. Wir sehen auch, dass es an den Hochschulen vernachlässigt wird. Das ist ein riesiges Problem für die Zukunft.

BdJ: Können wir bitte mit der Unterstützung des NABU in Bezug auf den Baum rechnen? Für Ihre Aufstellung »Natur des Jahres« möchte ich Ihnen mein Kompliment
sagen. Sie ist hervorragend und wird viel geklickt.

Tschimpke: Ja, na klar. Man könnte eine gemeinsame Projektidee entwickeln. Vielleicht n ich t jed es Jahr , aber zum Beispiel zu einem speziellen Baum.

BdJ: Für den Baum des Jahres engagieren sich verschiedenste Organisationen. Sehen Sie im BdJ ein verbindendes Element auch zwischen den Organisationen von Naturschutz, Forstwirtschaft, Jagd, Gartenbau und anderen?

Tschimpke: Mit Sicherheit ist dies ein verbindendes Element,  w eil sich ja jed er zu de r e inzel nen B aum art positionieren und mit der Sichtweise der anderen auseinandersetzen muss. Ich denke, hier hat der BdJ eine besondere Bedeutung, weil er zusammenführen kann, denn man muss erst einmal in der Lage sein, die Argumente der anderen zu verstehen und zu verarbeiten.

BdJ: Da haben Sie recht. Da dürften natürlich Jäger und Vogelschützer nicht fehlen.

Tschimpke: Ja, das ist ein Konflikt. Wir haben viele Jäger im NABU und wir haben viele Förster und Landwirte. In vielen Landkreisen arbeiten NABU, die Jäger und die Forstwirtschaft gut zusammen. Diese Konflikte sind manchmal eher auf der Ebene der Gesetzeslage als direkt vor Ort.

BdJ: Herr Tschimpke, ich danke für dieses aufschlussreiche Gespräch.

 

Die Fragen stellte Dr. Silvius Wodarz von der Baum des Jahres Stiftung

 

 

Das Interview erschien in der Zeitschrift ProWald (pdf) >>

 

 

 

 


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