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Baumschreiberin: Claudia Schulze: Schnee und Wald – eine vielseitige Beziehung


Still liegt er da, der Winterwald. Wie die Kulisse eines Märchens mit dick verschneiten Baumwipfeln ragen hohe Bäume in den Himmel. Die weiße Schneedecke schluckt jedes Geräusch. ....


.... Selbst das Knirschen unter den Tritten scheint nicht bis zum Vordermann zu reichen, der vor mir durch den tiefen Schnee stapft. Doch wo hat sich all das Leben hier versteckt? Die summenden Insekten, die zwitschernden Vögel, das Moos am Waldboden, Walderdbeeren, Maiglöckchen und Waldmeister die einen vor wenigen Monaten mit akustischen Bekundungen und betörenden Gerüchen in ihren Bann schlugen? Es ist als habe der Winter sie verschluckt und in einen tiefen Schlaf unter den Schnee gebettet.Die Natur bereitet sich auf ihre Weise auf die kalte Jahreszeit vor. Der Schnee spielt für Pflanzen und Wald eine besondere Rolle: er birgt Gefahr und Schutz zugleich. Die jeweilige Wirkung des Schnees auf den Wald, wird von einer Reihe Faktoren bestimmt: Zeitpunkt des Auftretens, Zeitraum und zeitliche Abfolge von Witterungsphänomenen können, besonders in nicht an langfristige Schneelagen angepasste Regionen, zu Schäden an der Vegetation führen. Auch spielen der Ort des Schneefalls, die Schneeform und –menge eine wichtige Rolle. Entscheidend ist die jeweilige Kombination der genannten Einflussfaktoren.

Herausforderungen

Werden die Tage im Herbst kürzer, trennen Laubbäume sich von ihrem Blattwerk, andernfalls drohen Frostschäden. Fällt der Schnee vor dem Laubabfall, bieten die belaubten Blätter eine größere Auflagefläche und ganze Äste können leicht unter der Schneelast brechen. Auch bei Nadelbäumen (besonders in Tieflagen) ist der Schneebruch ein häufig auftretendes Schadphänomen. In Regionen mit einer regelmäßigen, gut ausgebildeten Schneedecke hat sich das Ökosystem angepasst. Hier sind lang anhaltende Schneeereignisse für Tier- und Pflanzenwelt kein Problem. In Gebirgsregionen hat der Wald eine besondere Aufgabe – er schützt Siedlungen vor Schneelawinen. Der so genannte Schutzwald kann verschiedene Aufgaben übernehmen: So dienen Bergwälder neben der Abwehr vor Lawinen und Steinschlag auch dem Schutz des Bodens, vor Hochwasser, Erosion, Lärm oder Sturmschäden an benachbarten Waldbeständen. Die Schutzfunktion vor schädigenden Schneelasten und anderen Naturkatastrophen wird so hoch eingestuft, dass der Erhalt dieser Wälder sogar im Bundeswaldgesetz verankert ist.
Bei der Arbeit im Wald kann Schnee problematisch sein: Sind die Kronen der Bäume Schnee beladen, ist motormanuelle Holzernte gefährlich, da herabfallender Schnee die Sicht und so eine präzise Gefahreneinschätzung erschwert. Die Waldpflege mit einem Vollernter (Harvester) kann hier auch aus Sicht des Arbeitsschutzes sinnvoll sein. Um Waldboden, Bestand und Wege zu schonen, sollte beim Einsatz von Maschinen Bodenforst herrschen.

Chancen für das Ökosystem

Wie so häufig gilt auch beim Schnee: die Dosis macht das Gift. Große, lang anhaltende Schneemassen können schädlich für Umwelt und die darin lebenden Organismen sein. Unabhängig davon ist die mit Schnee verbundene optische Veränderung der Landschaft, welche eine überaus ästhetische Bedeutung hat. In waldreichen Gebieten zaubern verschneite Wipfel eine Kulisse die Stoff für Märchen und Geschichten bietet. Besonders in Deutschland gehören Wald und Schnee zu den charakteristischen Merkmalen des Winters. Die in Kinderbüchern und Geschichten beschriebenen monatelangen, andauernden Winter vermisst man heute in der Regel. Durch klimatische Schwankungen ist Schnee in vielen Teilen Deutschlands nur ein zeitweise auftretendes Phänomen. Für die Natur hat Schnee dennoch eine wichtige, schützende Bedeutung: Denn frisch gefallener Schnee besteht bis zu 95 % aus eingeschlossener Luft und fungiert so  als Wärmeisolator – ähnlich wie eine Daunenjacke. Die Pflanzen unter der Schneedecke sind so vor scharfem Wind und Frösten geschützt. Auch im Frühjahr wenn die Kälteresistenz der Pflanzen bereits reduziert ist, kann Schnee eine schützende Wirkung vor Spätfrösten haben und das Erfrieren junger Triebe verhindern.

Kuriositäten im Schnee

Einige Pflanzen und Tiere haben sich in besonderer Weise an Schnee angepasst. Die violette geschützte Kuhschelle blüht im Frühjahr sehr zeitig – manchmal noch unter der Schneedecke. Ein feiner Filz aus silbrigen Haaren schützt die Kuhschelle vor Kälte. Der streng geschützte Märzenbecher blüht – wie der Name schon sagt – bereits im März. Für die ersten Insekten bietet die Pflanze eine wichtige Nahrungsquelle. Tiere wie Hermelin und Schneehase können bei Schneelagen ihre Fellfarbe wechseln. Der weiße Pelz schützt sie effektiv vor unliebsamen Blicken der Beutegreifer.

Ich verabschiede mich aus dem Jahr 2016 mit den besten Wünschen für die Feiertage und natürlich mit dem Wunsch nach viel SCHNEE!

 

Claudia Schulze

 

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