Resümee- 25 Jahre Baum des Jahres


Was haben die bisherigen Kampagnen zum Baum des Jahres gebracht? - Ein Resümee von Prof. Dr. Roloff


Ein Resümee zum Baum des Jahres,
von Prof. Dr. A. Roloff:

Ziele der Aktion Ausrufung Baum des Jahres

Seit 1989, also seit 25 Jahren, wird jährlich eine Baumart als Baum des Jahres benannt und ausgerufen, begründet durch Dr. Wodarz und den Umweltschutzverein Wahlstedt e.V., später vom Verein Baum des Jahres und seit 4 Jahren von der Baum des Jahres - Stiftung mit zugehörigem Förderverein und Kuratorium als Beirat getragen. Das Kuratorium Baum des Jahres (KBJ) bestimmt auf seiner Jahresversammlung im Oktober in Berlin 3 Kandidaten und wählt anschließend im Vorjahr der Ausrufung in schriftlicher Abstimmung aller Kuratoriumsmitglieder eine Baumart aus, die das KBJ dann der Stiftung vorschlägt. Mitglieder im KBJ sind Verbände, Vereine, Stiftungen, Einrichtungen, Institutionen und Personen, die sich besonders intensiv mit Bäumen beschäftigen. So sind z.B. alle großen Naturschutzverbände Deutschlands vertreten, die Forstverwaltung(en), Dendrologen, Künstler, sowie die Baumschul- und die Baumpflegebranche.
Ziel der Ausrufung ist es, auf seltene Baumarten oder Probleme einer Baumart hinzuweisen sowie die Schönheit, den Wert und die positiven Wirkungen von Bäumen allgemein und die vielfältigen Funktionen der Baumarten bewusster zu machen.

Ergebnisse und Wirkung der Aktivitäten

Man kann feststellen, dass die Benennung und Ausrufung von Bäumen des Jahres eine großartige Erfolgsgeschichte ist.   
So wurden seltene Baumarten wie z.B. Eibe, Speierling und Schwarz-Pappel im Jahr der Ausrufung und seitdem verstärkt in so großen Anzahlen gepflanzt, dass es dadurch  zu einer dauerhaften und nennenswerten Zunahme dieser Bäume gekommen ist. Bei Bäumen wie z.B. Sand-Birke und Wald-Kiefer, die nicht zu den seltenen Arten gehören, ist der Wert auch solcher Baumarten vielen Menschen bewusster geworden, und dieses Bewusstsein wurde dauerhaft geschaffen bzw. verbessert. 
Aktuelle neue Probleme wie z.B. die Miniermotte bei der Rosskastanie und Phytophthora bei der Schwarz-Erle wurden bekannter und die Anstrengungen zur Untersuchung und Bekämpfung der Krankheiten verstärkt, mit nachhaltigem Erfolg. Kaum bekannte, "vergessene" oder oft übersehene Baumarten wie der Speierling, die Elsbeere oder der Wild-Apfel sind durch die Ausrufung maßgeblich bekannter geworden und werden seitdem dauerhaft mehr beachtet. 
Und schließlich sind viele Baumarten wie z.B. Walnuss und Hainbuche durch die Aktion einfach noch beliebter geworden, das botanische Wissen um Bäume hat dadurch deutlich zugenommen – was will man mehr?  
Insgesamt kann man feststellen, dass durch diese Aktivitäten die positive Beziehung Mensch - Baum  ("Menschen für Bäum - Bäume für Menschen, ") nachhaltig verstärkt worden ist. 
Man kann einwenden, dass es heute über 30 verschieden Naturobjekte des Jahres gibt und diese inzwischen niemand mehr alle bemerken und beachten kann. Dazu ist aber anzumerken, dass erstens der Baum des Jahres das dritte Objekt war, das ausgerufen wurde. Zudem hat eine aktuelle Erhebung ergeben, dass der Baum des Jahres die am meisten bekannte und beachtete Aktion dieser Art ist und von den Menschen ausnahmslos positiv eingeschätzt wird. Ja, der Baum des Jahres ist inzwischen zu einer "starken Marke" geworden, mit der sogar Werbung verbunden wird (was allerdings nur in bestimmten, ausdrücklich vertraglich geregelten Fällen zulässig ist). Und dass es inzwischen auch ein Eis und eine Seife des Jahres gibt, kann man wohl nicht ernsthaft dem Baum des Jahres anlasten. 
Auf die anfangs häufig und in letzter Zeit noch gelegentlich gestellte Frage, wie lange es denn noch jedes Jahr neue Baum-Arten geben wird, kann ich beruhigend antworten: für mindestens 45 Jahre. (und dann kann man mit einer Wiederholung beginnen.)

Resümee

Es dürfte sich bei der Benennung und Ausrufung der Bäume des Jahres um die wohl erfolgreichste Aktion der letzten Jahrzehnte zur Erhöhung der Baumartenvielfalt handeln, die zudem auch bei der Bevölkerung ankommt. Das heißt nicht, dass es nicht noch in Details Verbesserungsmöglichkeiten gäbe – insbesondere sind hier z.B. eine Professionalisierung der Öffentlichkeitsarbeit und eine verbesserte finanzielle Förderung von Veranstaltungen zu nennen, die allerdings erhebliche Kosten verursachen und mehr Personal erfordern würden. In diesem Zusammenhang ist die besondere Partnerschaft mit dem Deutschen Forstverein hier als sehr erfreulich zu bewerten.

 

Andreas Roloff, TU Dresden 
(Vorstand Baum des Jahres-Stiftung und Vorsitzender Kuratorium Baum des Jahres)

 


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