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Queen Elisabeth I-Oak, Foto: A. Roloff
Stiel- und Trauben-Eiche Hybrid auf Cent-Münzen, Foto: A. Roloff
 
14a) Sonstiges Interessantes

Ja, und nun ganz zum Schluss noch die sicher für viele von Ihnen kleine oder größere Überraschung: nämlich dass in der Wissenschaft darüber diskutiert wird, ob

Stiel- und Trauben-Eiche überhaupt verschiedene Arten sind?

Unstrittig ist, dass sie sich von Natur aus problemlos miteinander kreuzen und Nachkommen erzeugen können, die wiederum befruchtungsfähig sind. Somit wären sie nach herkömmlicher Artdefinition keine getrennten Arten, sondern Unterarten, und Stiel- und Trauben-Eiche würden als Quercus robur ssp. robur und ssp. sessiliflora bezeichnet (so wurde es auch früher getan, bis zu Linné's Zeiten im 18. Jhdt. gab es nur eine Art). Der härteste Verfechter dieser Sichtweise bin ich selbst, bezeichne die beiden Eichen in diesem Faltblatt aber trotzdem als Quercus robur und petraea, um nicht für zu große Verwirrung zu sorgen, denn ich bin mit meiner Sichtweise derzeit ziemlich "allein in der Brandung". Darin bestärken mich aber viele  Baumgenetiker, die bis heute Schwierigkeiten haben, die beiden Eichen unterscheiden zu können (die Variation innerhalb der "Arten" ist wesentlich größer als die Unterschiede zwischen ihnen). Zudem kann man Hybriden nicht sicher äußerlich erkennen (es könnten bis zu 50% sein) und ordnet sie dann einer der beiden Arten zu. Man hat inzwischen – um die etablierte Ansicht getrennter Arten beibehalten zu können – den Artbegriff so modifiziert (vom biologischen zum ökologischen), dass er wieder passt. Dies ist aber ein so kompliziertes Thema, dass ich Ihnen hier weitere Details ersparen möchte. Das alles soll Sie auch nicht beunruhigen, solche Diskussionen tun uns Botanikern immer mal ganz gut, und den Eichen ist es egal.
Die Sichtweise hat allerdings Konsequenzen, denn wenn es nur Unterarten sind, wäre für ihre Verwendung die Herkunft wichtiger als die Art: für trockenere Standorte sollte man Bäume/Eicheln von trockeneren Standorten wählen, für feuchtere Standorte Bäume von ähnlichen Standorten (statt nur auf Trauben- und Stiel-Eichen zu achten, wenn man sie überhaupt unterscheiden kann). Und: schauen Sie sich bitte mal die Eichenblätter auf den 1-, 2- und 5-Cent-Münzen ganz genau an – ich bin begeistert, denn dort ist eine Eiche abgebildet, die eindeutig zugleich Stiel- und Trauben-Eiche ist!


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Baumkönigin

Miriam Symalla Baumkönigin 2014