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Douglasie - Chance oder Ärgernis für die deutsche Forstwirtschaft"

 

Einleitung

Vor vier Jahren erregte Greenpeace großes Aufsehen, indem Aktivisten 2.000 Douglasien-Setzlinge aus dem Spessart ausgruben und dem Bayrischen Forstminister vor die Tür stellten. Damit fachten sie in der Öffentlichkeit eine Diskussion an die Experten schon lange führen:

was darf die Douglasie in Deutschland und was darf sie nicht?

Waldbesitzer und Experten der Forstwirtschaft streiten heftig mit Naturschützern über die nicht heimische Baumart. Schließlich machte das Bundesamt für Naturschutz der Sache ein Ende und setzt die invasive Baumart auf die „schwarze Liste“ – gelöst ist das Problem damit noch lange nicht.
Doch worum geht es hier eigentlich?

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Fakten

Die Douglasie (lat. Pseudotsuga menziesii) ist eine immergrüne Nadelbaumart, die eine erstaunliche Höhe von bis zu 60 m erreicht. Sie verblüfft mit rasantem Wachstum und liefert dabei große Mengen an wertvollem Holz. Die Eigenschaften sind günstig und lassen eine vielfältige Verwendung im Bau-, Innen- und Außenbereich, in der Möbelherstellung und als dekoratives Furnier zu. Der Preis für einen Festmeter übersteigt den der Fichte mit gut 100 € um fast 10 € - und das bei einer durchschnittlichen Produktionsdauer von nur 80 Jahren. Ökonomisch gesehen ist die Douglasie also ein richtiger Alleskönner!
Standort: Wir finden die Douglasie auf sehr unterschiedlichen Standorten, am wohlsten fühlt sie sich aber auf gut durchlüfteten, tiefgründigen Böden. Verdichtete oder vernässte Bereiche sagen ihr weniger zu. Mit ihrem Herzwurzelsystem ist sie besser gegen Stürme und starken Wind gerüstet als z.B. die flachwurzelnde Fichte.
Klimaansprüche: Atlantisches Klima in kollin-submontanen Höhenstufen eignet sich für die Douglasie, höhere Gebirgslagen dagegen nicht.
Wasser & Nährstoffe: beides sollte gut verfügbar sein, allerdings besteht eine höhere Toleranz gegen Wassermangel, als z.B. bei der Fichte.
Besonderheiten: zerreibt man die Nadeln zwischen den Fingern, verströmen sie einen angenehmen zitronenartigen Geruch.


Streitpunkte

Es gibt einige zentrale Streitpunkte die immer wieder im Zusammenhang mit der Douglasie aufkommen. Diese wollen wir im Folgenden betrachten.

1. Gehört die Douglasie nach Europa??

Kritiker betonen stets, die Douglasie sei ein fremdländisches Nadelgehölz, Befürworter halten gern dagegen, dass sie vor der letzten Eiszeit schon mal „bei uns war“ und dieser Vorwurf daher nicht gerechtfertigt sei.
Fakt ist: Die Anwesenheit der Douglasie in Deutschland konnte mittels Pollenanalyse im Tertiär ( geologischer Zeitabschnitt vor dem („sehr jungen“) Eiszeitalter des Quartärs) tatsächlich nachgewiesen werden. Im Pleistozän verschwindet sie allerdings wieder und war fortan auch nicht mehr an evolutionären und ökosystemaren Entwicklungsprozessen beteiligt. 1827 brachte der Forscher David Douglas sie aus Nordamerika mit nach Europa und erste Anbauversuche wurden unternommen. Vor ca. 100 Jahren hat die Baumart in Deutschland forstwirtschaftliche Bedeutung erlangt.

2. Angepasst oder nicht?

Die einen klagen, die Douglasie sei an unsere klimatischen Bedingungen überhaupt nicht angepasst, die anderen loben sie in Zeiten des prognostizierten Klimawandels als „Baumart der Zukunft“ in den Himmel.
Fakt: Es gibt eine Vielzahl von Klimaprognosen und –szenarien; wie und welche davon eintritt kann niemand mit Sicherheit sagen. Klar ist wohl nur, wir haben zukünftig mit wärmeren und trockeneren Sommern zu rechnen.
Die Douglasie benötigt aber eine relativ lange Vegetationsperiode, große Hitze und strenge Winter machen ihr zu schaffen. Da sie gegenüber Trockenheit toleranter als die Fichte ist, wird sie häufig auf mäßig frischen Standorten tieferer Höhenlagen als forstliche Alternative eingebracht. In milderen Lagen wird zukünftig die Trockenheit zunehmen und dort zu Wassermangel führen. Höhere Lagen, in denen die Art heute als frostgefährdet gilt, können zukünftig klimatisch passende Anbaugebiete darstellen. Das erweitert aber nicht die Standortverfügbarkeit für forstliches Wirtschaften mit der Douglasie, es verlagert sie allenfalls.
Ein weiterer entscheidender Punkt ist das genetische Material. Aufgrund der künstlichen Etablierung der Baumart ist nur sehr spezialisiertes genetisches Material vorhanden. Die blaue Douglasie (Pseudotsuga menziesii var. glauca) ist anfälliger für Schädlinge, wie z.B. Douglasienschütte (Pizbefall der Nadeln). Aus diesem Grund bevorzugt man in der Forstwirtschaft heute die grüne Douglasie (Pseudotsuga menziesii). Die verschiedenen Arten haben sich häufig vermischt und beinhalten so auch weniger widerstandsfähige Anteile. Hier sollte auf passende Herkünfte geachtet werden um Forstschutzrisiken zu minimieren!
Kleiner Gedankenanstoß: eine natürliche Verjüngung der Douglasie ist „naturnäher“ als eine aus anderem Herkunftsgebiet stammende gepflanzte Buche.

3. Was für Schäden richtet sie an?

Verjüngung

Als „invasive Baumart“, verdrängt die Douglasie aggressiv heimische Arten!
Fakt: Natürliche Verjüngung der Douglasie findet sich in Europa auf einer Vielzahl von Standorten natürlicher Buchenwälder (aber bedenke: Deutschland = Buchenland! Natürliche Buchenwaldgesellschaften finden sich also quasi überall...). Durch sehr frühes Fruktifizieren hat sie anderen Baumarten gegenüber einen „Vorsprung“. Der Keimerfolg hängt hier aber maßgeblich vom Lichtangebot ab.
Bei einer Auflichtung von Beständen verbessern sich also die Chancen für natürliche Douglasienverjüngung (dies gilt z.B. auch für Südhänge). Heute ist die einzelstammweise Entnahme von Bäumen in der Forstwirtschaft gängige Praxis, flächiger Kahlschlag und Rodung gehören weitgehend der Vergangenheit an. Um hier entsprechende Lichtverhältnisse für Douglasienverjüngung zu schaffen, müssen aber sehr gezielt größere „Löcher“ gehauen werden. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt, sind diese zu groß, ist die Stabilität des Bestandes gefährdet, sind sie zu klein, profitieren von dieser Vorgehensweise in aller Regel Schattbaumarten, wie die Buche. Die Gefahr einer unkontrollierten Douglasienausbreitung ist also gering.

Gefährdung seltener Ökosysteme

Die Douglasie breitet sich in wertvollen Biotopen und Ökosystemen aus, verschlechtert so deren Zustand und verdrängt heimische Arten.
Fakt: Besonders auf trockenen (bodensauren) Standorten (z.B. Eichenmischwäldern) ist die Douglasie konkurrenzstark, wirtschaftlich aber kaum bedeutend. Es findet eine deutliche Verdrängung seltener heimischer Arten statt, daher sollte die Einbringung bzw. Ausbreitung der Douglasie hier vermieden werden. Entsprechende „Pufferzonen“, welche Abstände zu Schutzgebieten regeln, sind einzuhalten.

Schadorganismen

Bislang galt die Douglasie als weitgehend resistent gegen forstliche Schädlinge. Kritiker prophezeien, dass es damit bald vorbei sein könnte.
Fakt: Bislang war die Douglasie in Mitteleuropa relativ unempfindlich gegen unsere gängigen Forstschädlinge. Borkenkäfer & Co. erkannten „die Ausländerin“ nicht als geeignetes Material für Nahrung und Vermehrung. Doch genau das scheint sich allmählich zu ändern: zunehmend findet ein Befall durch heimische Forstschädlinge und deren Anpassung an die Douglasie statt. Zukünftig ist in diesem Bereich also mehr Wachsamkeit geboten.

Wildverbiss

Immer wieder wird von Kritikern betont, dass die Douglasie anfällig für starken Verbiss und Verfegen durch Wild sei.
Fakt: Durch das Verfegen (Hirsch und Rehbock streifen den Bast (eine während des Geweihwachstums stark durchblutete Nährhaut, welche anschließend abstirbt) ihres Kopfschmuckes an den Bäumchen ab). und den Verbiss entstehen tatsächlich empfindliche wirtschaftliche Schäden: die betroffene Pflanze ist in ihrer Vitalität eingeschränkt, es kommt zu Wuchsdeformationen und nicht selten zum Ausfall. Um dies zu vermeiden sind Schutzvorkehrungen notwendig. Diese bedeuten nicht nur aufwändiges Anbringen, Abfall oder zeitaufwändiges Entfernen, sondern auch zusätzliche Kosten.
Der „Wilddruck“, also die Stärke des Wildverbisses hängt allerdings weniger von der Baumart selber, als von der Struktur des Waldes ab. Seltene Baumarten werden natürlich bevorzugter vom Wild gefressen, als das was überall wächst (dieses Phänomen lässt sich an jedem Buffet feststellen...). Das starke Verfegen der Douglasie geschieht wohl aufgrund des Harzes, welches die Tiere als wohltuend empfinden.
Diesen Problemen kann mit einer gezielten Auswahl des Pflanzplatzes und geschickter Bejagungsstrategie effektiv vorgebeugt werden.

4. Was für Chancen bietet sie?

Bei aller Kritik sollte bedacht werden, dass die waldbaulichen Erfahrungen mit der Douglasie bisher kaum mehr als ein Bestandesalter betragen. Ein abschließendes Urteil ist also nicht angemessen, bevor nicht weitere wissenschaftliche Erkenntnisse zum Wirtschaften mit dieser Baumart vorliegen.
Bis heute lässt sich sagen, dass die Douglasie – unter Berücksichtigung klimatischer Veränderungen – besonders in Buchenbeständen eine Alternative zur Fichte darstellen kann. Allerdings ist Mischung hier das entscheidende Schlagwort! Es sollte nicht, wie in der Vergangenheit immer wieder, alles „auf eine Karte“ (bzw. Baumart) gesetzt werden.
Fasst man alle ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkte zusammen, ist die Douglasie als Mischbaumart durchaus geeignet.

Anbauempfehlung

Obwohl die Douglasie Trockenheit besser „wegsteckt“ als die Fichte, sollte sie auf gut wasser- und nährstoffversorgte Standorten eingebracht werden. Hier besteht aufgrund eines höheren Aufkommens an Begleitvegetation nicht die Gefahr, dass die Douglasienverjüngung sich unkontrolliert vermehrt. In Deutschland sollte sie in kollin-submontanen Höhenstufen bei atlantischem Klima angebaut werden. Entscheidend ist die Wahl des Richtigen Standorts!
 

Fazit

Die Douglasie ist zunächst keine heimische Art unseres Ökosystems, aber ihre Anwesenheit ist in Mitteleuropa auch nicht völlig neu und unbegründet. ("Spätheimkehrer")
Wirtschaftlich ist sie hochinteressant, wenn fachlich sinnvoll und mit Bedacht vorgegangen wird. Mischung, Risikostreuung und Objektivität sind dabei entscheidend.
Eine Einbringung der Douglasie in deutsche Wälder: in Maßen denkbar und geeignet. Wie stets gilt auch hier – die Dosis macht das Gift.

 

Claudia Schulze

Quellen

Fischer, Die Eignung der Douglasie im Hinblick auf den Klimawandel, LWF Wissen 59, 2008
Siehe auch H. Walentowski, „Die Douglasie aus naturschutzfachlicher Sicht“

Douglasie- Perspektiven im Klimawandel“, Bayerische Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft, 02/2008

Blaschke, H. Bußler, O. Schmidt, „Die Douglasie- (k)ein Baum für alle Fälle“, in „Die Douglasie- Perspektiven im Klimawandel“, Bayerische Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft, 02/2008

Anton Rieder: Die Douglasie. Attraktive Wirtschaftsbaumart für Mitteleuropa. Bibliothek der Provinz, 2014,  1. Auflage
Anke Höltermann, Frank Klingenstein, Axel Ssymank, „Naturschutzfachliche Bewertung der Douglasie aus Sicht des Bundesamtes für Naturschutz (BfN)“, Bundesamt für Naturschutz
Wikipedia: Gewöhnliche Douglasie

 

 

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