Erkennungsmerkmale der Esche

Woran erkennt man diese Baumart? Dafür ist, etwas ungewöhnlich, der Winter am besten geeignet. Denn die erste Besonderheit sind die samtschwarzen, zwiebelspitzen Knospen. Die gibt es bei keiner anderen heimischen Baumart, womit die Esche unverwechselbar wird. Die Knospen sind nämlich dicht filzig mit schwarzen Härchen versehen, die als Verdunstungsschutz dienen und zu einer schnelleren Erwärmung im Frühjahr führen. Die Knospen für das nächste Jahr sind übrigens bereits Ende Juli fertig entwickelt! Haben Sie schon einmal etwas von Beiknospen gehört? An wüchsigen Wipfeltrieben der Esche sind über den Hauptseitenknospen häufig solche weiteren Knospen zu beobachten. Sie können - falls sie nicht absterben, sondern ruhend bleiben - Ausgangspunkt von Regenerationen nach Verletzungen werden oder in seltenen Fällen zu zwei direkt übereinanderstehenden Seitenzweigen führen. Keine andere heimische Baumart hat eine derart grobe Verzweigung und sparrige Krone. Zusammen mit ihrer je nach Alter silbrigen oder aschgrauen Rindenfarbe kann sie so im Freistand die ihr eigene Noblesse entfalten und ist ein beliebter Baum auf Ritterburgen.

Blätter

Normalerweise stehen die Blätter zu zweit exakt gegenständig am Spross. An besonders wüchsigen Trieben finden sich aber - die zweite Besonderheit - auch dreizählige Blattquirle, oder die Blätter sind am Spross versetzt oder stehen gar spiralig. Sie sind etwa 5 bis 10 cm, lang gestielt, mitsamt dem Stiel 40 cm lang und 9- bis 15-zählig gefiedert. Gefiederte Blätter bestehen aus einem Stiel (der Spindel) und den Fiederblättchen. Sie sind botanisch-ökologisch übrigens so zu interpretieren, dass sich der Baum im Herbst mit den Blattspindeln im Grunde der feinsten Verzweigungsordnung entledigt ('Wegwerftriebe'). Diese Blattspindel kann in der Vegetationsperiode Photosynthese betreiben, bleibt anschließend aber nicht mehr als 'Ballast' am Baum. Zudem geht aus interessanten Untersuchungen die enorme Reaktionsfähigkeit der Eschenblätter auf die Lichtverhältnisse hervor. Danach können sowohl die gesamten Blätter als auch die einzelnen Fiederblättchen Drehungs- und Biegungsbewegungen ausführen, um sich jeweils den Lichtverhältnissen optimal anzupassen. Das kann soweit gehen, dass die gesamte Krone - Blätter und Zweige - einen Links- oder Rechtsdrall bekommt. Im Herbst verfärben sich die Blätter gar nicht, oder im kontinentalen Osten des Verbreitungsgebietes höchstens gelblich grün. Die meisten fallen unverfärbt vom Baum, ein deutlicher Hinweis, dass es diese Baumart gar nicht nötig hat, im Herbst den Stickstoff aus ihren Blättern in die Zweige zurückzutransportieren, wie es andere Baumarten tun, z.B. der Ahorn mit der Folge der aufregenden Herbstfärbung. Damit hängt das Vorkommen der Esche nur auf besseren Standorten zusammen. Das hat außerdem zur Folge, dass im Herbst auf den Boden fallende Eschenblätter sehr rasch zersetzt werden, so dass Sie bereits im Frühjahr keine vollständigen Blätter vom vorigen Jahr mehr finden können.

Blüte und Früchte und Familie

 

Die Blühfähigkeit der Esche tritt mit etwa 30 Jahren ein. Die Blüten befinden sich zu vielen in reichverzweigten Blütenständen (Rispen) und erscheinen bereits vor den Laubblättern im März / April. Eschenblüten sind zweigeschlechtig, aber - die dritte Besonderheit - auf einem Baum kann auch das eine oder andere Geschlecht mehr oder weniger reduziert sein bis hin zu rein männlichen oder weiblichen Blüten, ja sogar rein männlichen oder weiblichen Bäumen! Dieses gleichzeitige Vorkommen von Bäumen mit einerseits zwittrigen, andererseits eingeschlechtigen Blüten wird botanisch als dreihäusig bezeichnet. Da den Blüten auffällige Kelch- und Kronblätter fehlen, kann man zu Recht folgern, dass die Esche durch den Wind bestäubt wird.

Die Früchte sind Flügelnüsse. Sie fallen während des ganzen Winters aus der Krone, werden durch die Flügel zu Schraubenfliegern und erreichen so Entfernungen von bis zu 125 m vom Mutterbaum. Durch stetes und reichliches Fruchten rein weiblicher Eschen können Zuwachsverluste dieser Bäume verursacht werden. Die Bäume müssen ja die Früchte schließlich von irgendetwas ernähren. Die Esche schlägt sehr gut aus dem Stock wieder aus, weshalb sie Rückschnitt auch in höherem Alter so gut verträgt. Außerdem kann sie sich dadurch z.B. gegenüber der Buche Konkurrenzvorteile an Steilhängen verschaffen, da der dort immer im Rutschen befindliche Boden zu häufiger Beschädigung der Gehölze führt und ausschlagfreudige Arten dies eher vertragen können. 

Die Esche gehört in die Familie der Ölbaumgewächse, zusammen mit den Sträuchern Flieder, Forsythie und Liguster. Sie wird ein hoher Baum mit kugelförmiger Krone und erreicht Stammdurchmesser bis zu 2m und Höhen bis über 40m. Das Höchstalter beträgt 250 bis 300 Jahre.