Ökologie und Vorkommen

Die Weiß-Tanne gehört zu den immergrünen Nadelbaumarten

Das wussten Sie natürlich schon. Weniger vielleicht, dass ihre Nadeln ca. 10 Jahre alt werden, im Hochgebirge auch bis 14 Jahre. Das ist unter den heimischen Nadelbaumarten Rekord.
Immergrüne Nadelbäume können übrigens in warmen Perioden auch im zeitigen Frühjahr und im Herbst Photosynthese betreiben, wenn Laubbäume keine Blätter tragen. Das ist ihr Konkurrenzvorteil in kühleren Regionen.
Von den heimischen Nadelbaumarten sind die Nadeln der Weiß-Tanne am besten zersetzlich, was positiv für die Stoffkreisläufe ist. Allerdings machen die günstigen Inhaltsstoffe die Nadeln auch beim Wild besonders beliebt - leider mit der Folge, dass die Weiß-Tanne stark verbissen wird.
Die Weiß-Tanne verjüngt sich im Mischwald von Natur aus besser unter alten Buchen und Fichten, die Fichte hingegen besser unter alten Tannen. Dadurch kommt in einzelnen Bestandesteilen von Generation zu Generation ein auffälliger Baumartenwechsel zustande.

Beschattung

In der Jugend ist die Weiß-Tanne sehr tolerant gegenüber stärkerer Beschattung. Sie wächst dann sehr langsam, der Wipfeltrieb fast überhaupt nicht mehr. So kann sie ähnlich der Buche "in Wartestellung" (in Hoffnung auf mehr Licht) verharren und einen bis zu 150jährigen "Schattenschlaf" halten. Die dann entwickelten Schattennadeln sind an die geringe Helligkeit besonders gut angepasst. Wenn schließlich einer der alten Nachbarbäume fällt (oder gefällt wird), erwacht der Nachwuchs aus diesem "Schlaf" und wird vom Licht "wachgeküsst". Allerdings verträgt die Tanne keine plötzliche Freistellung, denn es müssen erst neue Lichtnadeln gebildet werden - die Schattennadeln "verbrennen" sonst regelrecht in der plötzlichen prallen Sonne.
Da die Weiß-Tanne empfindlich gegenüber Spätfrösten im Frühjahr ist, wartet sie mit dem Austreiben des Wipfeltriebes manchmal bis Ende Mai.

Säule der Bergmischwälder

Die Weiß-Tanne kommt von Natur aus überwiegend in Mischbeständen der Mittelgebirge mit Buche und/oder Fichte vor, seltener auch in Reinbeständen. Man bezeichnet sie daher auch als die tragende Säule der Bergmischwälder. Dabei spielen die Bodenverhältnisse nicht die entscheidende Rolle, aber das Klima darf nicht zu warm, nicht zu kalt und vor allem nicht zu trocken sein. Besonders günstig sind luftfeuchte Lagen und sog. ozeanisches Klima mit mindestens 600 mm Niederschlag im Jahr. Immerhin kann sie in den Alpen auch bis auf 2000 m steigen, und in Südpolen ist sie andererseits auch eine Baumart des Flachlandes. Die frostfreie Periode muss mindestens 3 Monate lang sein.
Im Übrigen meidet die Tanne nicht nur klimatisch, sondern auch hinsichtlich der Bodenverhältnisse die Extreme.

Verbreitungsgebiet / Klima / Bodenverhältnisse

Ihr Verbreitungsgebiet ist auf das südliche Mitteleuropa und Südosteuropa beschränkt. In Deutschland verläuft die Nordgrenze des natürlichen Vorkommens vom Schwarzwald über Thüringen und das Erzgebirge in die Niederlausitz. Trotzdem wächst sie auch außerhalb dieses Areals bei Vorliegen günstiger Bedingungen gut und problemlos, z.B. auch in Nordwestdeutschland, in Schleswig - Holstein und in Dänemark.
Besonders günstig sind luftfeuchte Lagen und sog. ozeanisches Klima mit mindestens 600 mm Niederschlag im Jahr.
Immerhin kann sie in den Alpen auch bis auf 2000 m steigen, und in Südpolen ist sie andererseits auch eine Baumart des Flachlandes.
Die frostfreie Periode muss mindestens 3 Monate lang sein.
Im Übrigen meidet die Tanne nicht nur klimatisch, sondern auch hinsichtlich der Bodenverhältnisse die Extreme.

Tannensterben

Das waren noch Zeiten in Deutschland, als man in den "Tann" gehen konnte! Leider ist die Weiß-Tanne inzwischen die Baumart mit dem stärksten Rückgang ihrer Vorkommen in den letzten 200 Jahren: 90% der ursprünglichen Fläche sind verloren gegangen. So steht sie in 4 Bundesländern auf der sog. 'Roten Liste' der vom Aussterben bedrohten Pflanzen. Nennenswerte, wenn auch im Vergleich zu früher kümmerliche Reste der damaligen Pracht von Tannenmischwäldern wachsen heute nur noch im Schwarzwald, in den Vogesen und im Bayerischen Wald. Aber auch hier gibt es Probleme mit der Naturverjüngung. Mit 2% Anteil an der Waldfläche ist die Tanne mittlerweile eine unserer seltensten Baumarten geworden und Sie ist zu tragischer Berühmtheit durch das "Tannensterben" gelangt, das dem sog. "Neuartigen Waldsterben" vorausgeeilt ist. Sie ist empfindlicher gegenüber Klimaschwankungen und Luftverunreinigungen als jede andere Baumart. Sie konnte sich nach den Eiszeiten nicht überallhin natürlich ausbreiten. Sie erfordert in der Forstwirtschaft höchstes waldbauliches Können.
So ist sie zu ihrem Ruf der Mimose unter den Waldbaumarten gekommen.
Mimosen brauchen Pflege!
Es wurde viel diskutiert, wodurch diese gegenüber anderen Baumarten deutlich erhöhte Empfindlichkeit zustande kommt.

Eine wesentliche Rolle spielt dabei die eiszeitliche Wanderungsgeschichte der Weiß-Tanne >> mehr >>