Blüten des Berg-Ahorn

Er blüht nämlich viel später und unauffälliger als der Spitz-Ahorn.
Seine 5-zähligen Blüten, in endständigen verzweigten Rispen-Blütenständen,erscheinen erst Ende April bis Anfang Mai zusammen mit bzw. kurz nach den Blättern. Deshalb fallen sie längst nicht so auf wie beim Spitz-Ahorn, der schon Anfang April oder Ende März vor dem Blattaustrieb blüht.

Erst mit etwa 30 Jahren beginnt der Berg-Ahorn zu blühen, dann aber fast jedes Jahr und reichlich. Die Blüten sind zwittrig, oft werden aber in der Krone bei einzelnen Blüten mal die männlichen und mal die weiblichen Anlagen der Einzelblüten unterdrückt, so dass sie fast eingeschlechtig sein können. Sie haben je 5 gelb-grüne Kelch- und Kronblätter und werden von Insekten, z.B. Bienen bestäubt, die den Nektar vom scheibenförmigen Blütenboden aufnehmen. Von den ursprünglich 10 Staubblättern sind immer 2 ausgefallen, so dass es nun noch 8 sind.

Früchte des Bergahorns

Die Früchte des Berg-Ahorns sind kleine Nüsschen. Sie haben einen langen Flügel, der die Fallgeschwindigkeit verringert, so dass sie beim Fallen ins Trudeln geraten (Drehschraubenflieger) und dabei vom Wind verfrachtet werden, bis zu 125 m vom Mutterbaum.

Erinnern Sie sich an Ihre Kinderzeit: wer von uns hat nicht Ahornsamen in die Luft geworfen und beobachtet, wie sie hubschrauberartig wieder niederfallen…
Auf vereistem Schnee im Gebirge können die Früchte bei stärkerem Wind sogar 1 km weit rutschen. Die Flügelnüsschen sind am Baum immer
zu zweit miteinander verbunden und bilden dabei einen spitzen bis rechten Winkel zueinander (sieht wie ein "Berg" aus).
Übrigens ist dies ein Unterscheidungsmerkmal: Beim Spitz-Ahorn ist der Winkel flacher. Vor oder beim Herabfallen trennen sich dann die beiden
Flügelnüsschen (daher die Bezeichnung Spaltfrüchte) – und auch daran erinnern Sie sich: Die Fruchthülle ist leicht klebrig, man kann sie öffnen und sich die Flügelnüsschen auf die Nase kleben – das haben Sie als Kind doch auch getan, oder? Und sehen Sie sich dann mal die Keimung im April an: Zuerst dringt die Keimlingswurzel in den Boden ein, bis sie verankert ist – dann hebt der Keimling den Fruchtflügel etwas hoch, bis dieser abfällt, und anschließend entfalten sich die beiden Keimblätter. Bei der Fülle von Keimlingen, oft 100 und mehr pro Quadratmeter, kann man die verschiedenen Stadien sehr schön nebeneinander ansehen – vorausgesetzt, Sie gehen mal in die Hocke auf dem Waldboden.

Blätter

Die gegenständigen Blätter sehen – wie es sich für einen Ahorn gehört – aus wie "am Stiel ausgestreckte Blätterhände". Aber sie unterscheiden sich deutlich vom Spitz-Ahorn: denn sie sind zwar beim Berg-Ahorn ebenfalls 5-fach gelappt, die Blattlappen sind jedoch nicht zugespitzt, sondern stumpfer, die Blätter nicht glatt, sondern runzelig. Der Blattstiel enthält keinen Milchsaft, wie er beim Spitz-Ahorn durch Ankneifen des Blattstieles austritt. Zudem hat der Berg-Ahorn nicht eine so bunte Herbstfärbung wie der Spitz-Ahorn – dafür kann sie in höheren Lagen zu einem Feuerwerk von Gelbtönen werden. Dieses Spektakel hat seinen Höhepunkt alljährlich in einem Hochtal im Naturschutzgebiet Karwendel, und zwar dem "Großen Ahornboden" kurz hinter der deutsch-österreichischen Grenze bei Mittenwald. Dort stehen nämlich Hunderte uralter, großkroniger Berg-Ahorne auf den Wiesen eines langen Talgrundes, und wenn sich dann im Oktober diese ganze Ahorngesellschaft gelb färbt, die Herbstsonne darauf scheint und dahinter die beidseitig gewaltige Bergkulisse mächtig wirkt, dann möchte man dort nie mehr weg. Das hat dieses Hochtal weltberühmt gemacht.

In mittleren Osten Nordamerikas gibt es verschiedene Ahornarten, die maßgeblich an der prächtigen rot-orangen Herbstfärbung der dortigen Wälder beteiligt sind, bekannt unter dem Begriff 'Indian Summer'. Dabei wurde dieser Begriff dort ursprünglich aus einem ganz anderen Grund geprägt: Die Ureinwohner, die "Indianer", nutzten die schönen Herbsttage, um ihre Wintervorräte aufzustocken, wenn die Wälder bunt wurden.

An Schattenzweigen kann man oft sehr ungleich große Blätter beobachten: die nach unten gerichteten sind viel länger gestielt und größer als die am Spross gegenüber nach oben gerichteten. So versuchen die Blätter außen mehr Licht zu erreichen. Die Blätter des Berg-Ahorns werden aufgrund günstiger Inhaltsstoffe sehr schnell zersetzt, wenn sie im Herbst vom Baum gefallen sind.


Das Lied vom Ahornbaum

Wussten Sie schon, wie das Lied vom Ahornbaum geht?
(von MARIA SEIDENMANN)

"Auf dem Felde, auf dem Felde
steht ein Ahornbaum,
reckt die grünen Blätterhände
hin zum Himmelssaum!"

Knospen / Krone / Oskar-Syndrom

Die Knospen des Berg-Ahorns sind grün und vom Spross abstehend, die
des Spitz-Ahorns braun und anliegend.
Der Baum kann eine sehr schön geformte runde bis eiförmige Krone entwickeln, was aber natürlich nur im Freistand klappt. Als Höchstalter erreicht er 500 Jahre, Stammdurchmesser von über einem Meter sind keine Seltenheit, im Freistand kann er zu wahren Riesen werden. Der dickste mir persönlich bekannte Berg-Ahorn steht am Erzgebirgsrand nahe Freiberg,
mit 1,43 m Durchmesser (= 5,40 m Umfang) in Brusthöhe. Kennen Sie einen dickeren? Dann melden Sie es bitte an www.baum-des-jahres.de, wir sind gespannt auf die Champions der 16 Bundesländer!

Im Mittelgebirge/Gebirge und Norden gibt es noch wunderschöne alte Bergahorn-Alleen. Denn der Berg-Ahorn ist eine der bestgeeigneten Alleebaumarten, wenn das Klima nicht zu trocken ist. Besonders begeistert mich eine solche reine Bergahorn-Allee von über 3 km Länge mit 104 Altbäumen fast ohne Unterbrechung auf einer Straßenseite zwischen Fredelsloh und Lauenberg am Solling nahe Göttingen. Kennen Sie vielleicht noch eine längere reine Bergahorn-Allee?
In der Jugend können 1-2 m lange Jahrestriebe zu schnellem Höhenwachstum führen, das dann bald wieder nachlässt. Für die Förster ist der Berg-Ahorn ein Musterknabe: wenn seinem Wipfeltrieb nichts geschieht, wächst er schnurstracks "in den Himmel". Mit 40 m erreicht der Baum seine maximale Höhe. Und für die Verjüngung sorgt er selbst, ohne dass der
Förster etwas unternehmen muss.

Wussten Sie schon, was das Oskar-Syndrom im Wald ist? Es bezeichnet sehr treffend die Situation, dass junge Ahorne im tiefen Schatten auf mehr Licht warten und dann im Wachstum stagnieren, wenn sie etwa 1-2 m groß sind. Die Bezeichnung Oskar-Syndrom wurde dafür verwendet, da es ja das Schicksal von Oskar in der "Blechtrommel" von GÜNTHER GRASS ist, dass der Junge nicht mehr weiterwächst.

schuppenförmige Borke

Nun müssen wir aber endlich auf die Rinde dieser Baumart eingehen, ein absolutes Highlight. Dafür benötigen Sie irgendwann demnächst einmal 10 Minuten Zeit, wenn Sie das richtig erleben wollen (geht zu jeder Jahreszeit). Alte Berg-Ahorne entwickeln nämlich eine schuppenförmige Borke, die ein phantastisches Formen- und Farbenspiel von gelb bis dunkelbraun und grün zeigt. Daher der Beiname "pseudo-platanus", soll heißen: sieht aus wie eine Platane, die ja auch wegen ihrer farbenfrohen Schuppenborke in der Stadt sehr beliebt ist. Die ältesten Schuppen sind dunkel, und wenn sie schließlich abfallen, kommen ganz helle Bereiche zum Vorschein.

Noch aufregender wird es, wenn sich auf der alten Ahornrinde in höheren Lagen oder feuchten Tälern Flechten und Moose ansiedeln, sog. "Aufsitzerpflanzen" oder Epiphyten. Sie nutzen den Baum als Unterlage, um besser ans Licht zu kommen (auf dem Boden zwischen den Kräutern hätten sie keine Chance). Für den Baum macht das keinen Schaden, da sie nur auf der Borke sitzen und nicht in sie eindringen. Die Borke des Berg-Ahorns ist dafür wegen ihres günstigen pH-Wertes besonders geeignet, und so kann man alte Ahorne sogar als "Bioindikator" für die Luftqualität nutzen: Wenn sich auf der Rinde empfindliche Flechten, wie z.B. die mähnenartig herunterhängenden Bartflechten entwickeln, ist das ein Zeichen für hohe Luftreinheit.

Jetzt verstehen Sie, warum ich zuvor von 10 Minuten geschrieben habe: Sie sollten einmal vor einem solchen alten Ahorn verweilen (nicht wie sonst vorbeigehen oder -fahren) und von ganz nah die Rinde betrachten: die Formen und Farben der Borkeschuppen, und ob Sie dort Flechten finden.
Und schauen Sie mal am Stamm hoch, wie sich die Borkenstruktur verändert – weiter oben sieht es dann manchmal aus "als wär der Lack ab". Im Frühjahr kann es zum "Bluten" aus abgeschnittenen Ästen und verletzter Rinde kommen – das ist der sog. Frühjahrssaft, der auch für Ahornsirup genutzt werden kann (mehr dazu kommt gleich, wenn Sie weiterlesen). Er tritt bei Verletzungen ab März bis zum Austriebzeitpunkt aus und enthält
reichlich Zucker.

Wurzeln

Die Wurzeln können bis 2 m Tiefe erreichen, erschließen den Oberboden intensiv und entwickeln eine flach herzförmige Gestalt.

Der Berg-Ahorn gehört zur Familie der Seifenbaumgewächse. Das ist neu für Sie? War es für mich vor 3 Jahren auch. Seit kurzem hat man die Ahorngewächse nämlich zusammen mit der Rosskastanie in diese Familie eingeordnet, da sie bestimmte Ähnlichkeiten im Blütenaufbau aufweisen (Ausfall von Staubblättern). Weitere, vielen bekannte Ahornarten sind Spitz- und Feld-Ahorn sowie der nordamerikanische Zucker-Ahorn.