Nutzung, Verwendung und Gesundheit

Holz

Das Holz der Vogel-Kirsche ist sehr wertvoll, als Höchstpreise werden 5.000 € je Festmeter erzielt. Man kann einen dunkleren Kern (innen) von einem helleren Splint (außen) unterscheiden. Es hat einen rötlichen Farbton, der sehr gesucht ist, und dient als Möbelholz sowie für wertvolle Furniere.

Biedermeiermöbel wurden oft aus Kirschbaum hergestellt – das sind die Möbel, vor denen Sie schon mal sehnsüchtig gestanden haben, weil Sie sich die nicht leisten können. Drechsler verwenden das Holz gerne, und im  Musikinstrumentenbau gibt es z.B. schöne rötliche Flöten.

Kirschbäume in Waldbeständen sind eine Herausforderung für den Förster, denn sie benötigen Licht und müssen mit 60-90 Jahren gefällt werden (sonst wird der untere Stammabschnitt faul), so dass dann im Bestand Lücken zurückbleiben – das ist aber heutzutage kein Problem mehr, für den naturnahen Waldbau. Es könnten also noch viel mehr Kirschen in unseren Wäldern wachsen, wenn man sie mehr beachten und fördern würde.

Obstbau

Kirschen sind die wichtigsten Gehölze im Obstbau, allerdings heute mehr und mehr die Sauer-Kirschen, weil sie unempfindlicher (gegen Spätfrost, Hagel, Starkregen und Schädlinge) sowie weniger arbeitsintensiv sind und nicht so gerne von Vögeln gefressen werden. Sie kennen sicher auch einige Regionen in Deutschland, die berühmt für ihre Kirschplantagen sind, z.B. in Hessen, Thüringen, Baden-Württemberg oder Sachsen. Dort werden jedes Jahr auch Kirschenköniginnen gekürt. Inzwischen ist es meist nicht mehr so, dass die Imker von selbst zu den Obstplantagen kommen, sondern die Obstbauern müssen die Imker pachten. Denn von den Bienen hängt entscheidend der Bestäubungserfolg und damit der Fruchtbehang ab, und Imker gibt es inzwischen nur noch so wenige, dass sie nicht mehr auf die Kirschplantagen angewiesen sind.
Süß-Kirschen im Obstbau werden grundsätzlich durch Veredlung erzeugt, dabei werden besonders blühwillige Zweige auf die Vogel-Kirsche gepfropft. In Mitteleuropa eingeführt wurde die Kulturkirsche bereits von den Römern kurz nach der Zeitenwende. Pro Baum können jährlich etwa 20 kg Früchte geerntet werden. Heute beträgt die Jahresernte an Süßkirschen weltweit etwa 2 Mio. Tonnen, in Europa ist Deutschland das Land mit den größten Mengen (120.000 t).
Bis vor gar nicht so langer Zeit gab es in einigen Regionen schulfrei zur Kirschenernte. Dann trällerten die Kinder:

"Rote Kirschen ess ich gern,
schwarze noch viel lieber;
in die Schule geh ich gern,
auf die Gaß' noch lieber."

Als es noch keine Süßigkeiten gab, ließen reife Kirschen das Herz von Kindern höher schlagen.

Auch als Ziergehölz ist der Kirschbaum sehr beliebt. Es gibt über 50 Sorten mit besonderer Wuchsform, gefüllten Blüten oder besonders guten Früchten. Ich möchte hier aber lieber keine einzelnen Sorten nennen, weil das eine Geschmacksfrage ist und ich sonst wieder aufgebrachte Anrufe und E-Mails wie beim Nussbaum erhalte.

Früchte - wertvolle Inhaltsstoffe

Die Früchte enthalten viele wertvolle Inhaltsstoffe (z.B. Vitamine, Kalium, Eisen), sie werden frisch verzehrt oder zu Marmelade/Gelee, Saft, Kuchenbelag oder Kompott verarbeitet. Außerdem werden sie für alkoholische Getränke und Pralinen genutzt.
Die sog. Piemont-Kirsche® ist übrigens eine Marketing-Erfindung cleverer Pralinenhersteller (macht ja nichts, denn das war eine gute Idee). Und auch im Schwarzwald werden Sie vergeblich die besonderen Kirschen für Torten suchen. Wie es genau zu dem Namen kommt, ist umstritten. Mehr dazu steht auf der Homepage www.baum-des-jahres.de. Jedenfalls: wenn ich an Schwarzwälder Kirschtorte denke, geht es mir gut – denn das ist meine Lieblingstorte, am besten vierstöckig. So erfahren Sie jedes Jahr ein bisschen mehr von mir…

Heilkräfte

Früher waren die Heilkräfte des Kirschbaumes viel bekannter. Man stellte z.B. eine Beziehung zwischen der roten Farbe der Kirschen und ihrer Wirkung auf Herz und Kreislauf her und sagte, dass frischer Kirschsaft ein Jungbrunnen für neue Lebenskraft und Vitalität ist. Inzwischen hat man eine solche Wirkung tatsächlich nachgewiesen. Vor einiger Zeit fiel einigen Ärzten im Umfeld von Kirschplantagen auf, dass sie zur Zeit der Kirschenernte deutlich weniger Schmerzpatienten in ihrer Praxis hatten. Sie fragten sich nach den Ursachen, und ein Forscherteam fand daraufhin heraus, dass der tägliche Genuss von einem halben Pfund roter Kirschen so schmerzlindernd wie 1-2 Schmerztabletten wirkt, wofür die in Kirschen enthaltenen roten Farbstoffen verantwortlich sind. Für eine Kirschenkur sollten Sie täglich 250 g Kirschen essen und 2 Gläser Kirschsaft trinken, dann stellen Sie bald einen ganz neuen Schwung fest. Wenn es klappt, berichten Sie uns bitte unter info@baum-des-jahres.de.

Kirschkerne werden von absoluten Spezialisten zum Schnitzen verwendet. Wenn Sie das nicht glauben wollen, sollten Sie mal das Grüne Gewölbe in Dresden besuchen: dort befindet sich ein Kirschkern mit 185 (!!) geschnitzten Gesichtern, aus dem Jahre 1589. Damals hatten die Menschen noch Zeit… Kirschkernkissen erleben derzeit eine Renaissance, sie sind ein guter Wärmflaschenersatz: die gesammelten und getrockneten Kerne werden in Leinensäckchen oder Kissen gefüllt, in der Mikrowelle, im Backofen oder Ofen erhitzt und zum Wärmen ins Bett oder auf empfindliche Körperstellen gelegt – das hilft bei Rheuma, Schmerzen, Hexenschuss und kalten Füßen. Viele schwören auf den wohltuenden Schlaf auf Kirschkernkissen, sie eignen sich auch für Allergiker.

Kirschgummi (gesammelter Gummiflussaustritt aus Stamm und Ästen) wurde früher für Klebstoffe und in der Heilkunde gegen Husten verwendet. Getrocknete Kirschenstiele wirken entwässernd und schleimlösend und lassen sich zu einem Brusttee verarbeiten. Sie werden in der Volksmedizin gegen Blasenentzündungen und Durchfall verwendet – diese Kenntnis ist in England auch heute noch weit verbreitet. Mit Inhaltsstoffen der Rinde kann man Bronchitis und Verdauungsstörungen bekämpfen.

Das edelste Baumpaar im Garten sind Walnuss und Kirschbaum, sie ergänzen sich als Hausbäume ideal, sowohl was ihr Äußeres betrifft als auch ihre Nutzung. Was ich damit meine? Das sollen Sie selbst herausfinden. Pflanzen Sie die beiden nebeneinander in Ihren Garten, dann merken Sie es voraussichtlich spätestens in 5 Jahren.