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"ich bin Martin, der erste Baumbotschafter für Kinder."
„Iih, wie klebrig!“ Die großen Knospen der Rosskastanie in Martins Revier“.
Am Eingang zur Erdhöhle hat sich eine Wald-Kiefer von selbst angepflanzt.
Zeichnung

Baumbotschafter für Kinder

Martin und sein Vater berichten..

Martin ist 12 Jahre alt und geht in die 7. Klasse des niedersächsischen Gymnasiums Munster.
„In der Grundschule hatte ich einen Schulfreund, der direkt am Wald wohnte, aber nie hineinging“ meint er. Daraufhin habe er sich entschlossen, seinen Freunden mehr vom Wald und den Bäumen zu zeigen, und feierte seinen nächsten Geburtstag im Walderlebniszentrum in Ehrhorn. Da erfuhren die Kinder dann so viel interessante Dinge vom Wald, dass der nächste Klassenausflug gleich wieder dort hinging.
„Wir wohnen direkt an einem alten Kies - Abbaugebiet, das vor gut 30 Jahren der Natur zurückgegeben worden ist. Viele feuchte Ecken und mehrere Teiche im Umfeld der Örtze, unseres Flüsschens, wechseln mit trockenem Heidesand. Auf dem trockenen Sand wachsen nun meist Wald-Kiefern, wird es etwas feuchter, kommen Stiel-Eiche, Sand-Birke und Eberesche hinzu, am Rand der Teiche wachsen dann meist Schwarz-Erlen.“

Viel Platz, um im Wald zu spielen, um auf Entdeckungsreise zu gehen.

Auch im Winter kommen regelmäßig seine Freunde aus der direkt benachbarten Stadt Munster angeradelt. Dann wird geklettert, versteckt, gebastelt. „Ich möchte meinen Freunden aus der Stadt zeigen, was man alles im Wald entdecken kann. Dabei muss dieser Wald gar nicht riesig sein: Aus Haselnuss, und die kommt hier überall vor, kann man zum Beispiel einfache Bögen schnitzen.“ Martin weiß, wovon er spricht: „Ich bin mit der Natur groß geworden. Mein Freund Tim ist zwar Bezirksmeister im 1000-m-Lauf, aber wenn es direkt durch die Natur geht, abseits der Wege, dann bin ich viel schneller als er.“
Doch nicht nur im Wald kann Martin seinen Freunden Bäume zeigen. „Hier, fass mal an, wie klebrig die ist!“ Er zeigt Tim (13) die Knospe einer Ross-Kastanie, die er in sein „Revier“ gepflanzt hat. Vor fünf Jahren ist er mit seinen Eltern aus dem Naturschutzgebiet Lüneburger Heide nach Breloh gezogen, einem zur Stadt Munster gehörendem Dörfchen. Im Garten bekam er damals ein gut 50 m² großes Stück Erde zur eigenen Ausgestaltung. Er entschied sich dafür, daraus nicht nur eine große Sandkiste zu machen, sondern am Rand auf einen kleinen Wall verschiedene heimische Baumarten zu pflanzen. Der erste Baum war ein kleiner
Stiel-Eichensämling, den er aus dem benachbarten Wald in sein „Revier“ verpflanzte, während die Erwachsenen sich ihren Teil des Gartens anlegten. „Inzwischen haben mir aber die Eichelhäher noch drei weitere Stiel-Eichen gepflanzt“, sagt Martin. „Irgendwann wird der Platz wohl zu knapp, dann muss ich die Eichen wegen ihrer Pfahlwurzeln ganz tief ausgraben und woanders hinpflanzen. Aber das geht wohl, denn wir haben hier Sandboden, da fällt das Buddeln nicht so schwer.“ Überhaupt, das Buddeln: Martin wollte gerne eine Erdhöhle haben, und da hat er zusammen mit seinem Vater ein tiefes Loch gegraben, in das eine mit Holzbohlen verstrebte Kiste gesetzt und wieder mit Sand überdeckt wurde. „Zu dritt haben wir hier Platz und sind außer Reichweite der Erwachsenen“, grinst er. „Nur wenn es längere Zeit kräftig regnet, gibt’s ein Problem: Dann fließt Sand in die Erdhöhle, und der muss dann mit einem Eimer wieder herausgeholt werden. Und manchmal gefällt es den Spinnen zu gut in meiner Höhle – die sammele ich dann aber auch ein und setze sie im Wald wieder aus.“
Zu den Stiel-Eichen kam bald die Ross-Kastanie hinzu, die er aus einer Kastanie in einem Blumentopf aufgezogen hatte. Sand-Birken- und Wald-Kiefer-Saat flog von allein an, einen Spitz-Ahorn fand er am Wanderwegrand („der wäre sonst abgemäht worden“). Stolz zeigt er seine Roteiche: „Das ist zwar keine hiesige, sondern eine amerikanische Eichenart, aber sie wächst hervorragend – in diesem feuchten Jahr waren es über 2 Meter“.
Vor drei Jahren sammelte er im Herbst einige Bucheckern. „Wenn die im nächsten Frühjahr austreiben sollen, muss man sie entweder draußen liegen lassen, aber dann werden natürlich viele von den Mäusen gefressen, oder man muss sie den Winter über im Kühlschrank lagern. Damit sie nicht austrocknen müssen sie in einem geschlossenen Gefäß aufbewahrt werden. Ich habe eine Filmdose genommen“ berichtet Martin.
„Jetzt haben wir eine kleine Rot-Buchenallee im Garten. Im nächsten Jahre muss ich diese kleinen Buchen etwas freistellen, also ihnen Platz zum Wachsen geben. Da helfen mir dann meine Freunde.“

Auf den Rasen, auf dem mit Haselnuss, Eibe, Sommer-Linde und Hainbuche gleich drei „Bäume des Jahres“ stehen, durfte er sich jetzt noch ein Tipi aus Weidenstecklingen bauen: „Das ist mein neuestes Baum-Projekt“, sagt er. „Es ist ganz einfach, man muss nur Weidenzweige abschneiden und ins Wasser stellen, die bilden dann Wurzeln und schon kann man sie einpflanzen. Ich habe sie in einen Kreis mit knapp zwei Metern Durchmesser gepflanzt. Jetzt sind sie angewachsen, und wenn sie im nächsten Frühjahr austreiben, werden die Seitenzweige verflochten.“ Nach einigen Jahren, so hofft er, wird sich dann ein grünes Zelt gebildet haben. „Da darf aber nur hinein, wer beim Flechten mitgeholfen hat“ meint er; doch freiwillige Helfer findet er bei seinen Freunden genug, denn: „Picknick im Pflanzenzelt ist doch viel toller als immer nur Computerspiele.“

So stehen bei Martin und seinen Eltern gleich ein ganzes Dutzend „Bäume des Jahres“ im Garten: Stiel-Eiche (1989), Rot-Buche (1990), Sommer-Linde (1991), Eibe (1994), Spitz-Ahorn (1995), Hainbuche (1996), Eberesche (1997), Sand-Birke (2000), Esche (2001),
Schwarz-Erle ( 2003), Rosskastanie (2005), Wald-Kiefer (2007) sowie Walnuss (2008).
„Für die meisten anderen „Bäume des Jahres“ sind Klima oder Boden hier nicht verträglich“, weiß Martin. „Aber mit 13 von den bisherigen 20 Jahresbäumen bin ich auch zufrieden, schließlich wäre es ja unsinnig, gegen die Natur Bäume zu pflanzen, die nicht hier hingehören“, meint er. „Als Baumbotschafter möchte ich meinen Freunden auch weiterhin die Natur und besonders den Wald näher bringen – Bäume sind für mich nicht nur Holzgewächse, sondern Lebensräume für viele Tiere und sogar für andere Pflanzen, sie laden ein zum Klettern und spenden Schatten im Sommer. Ich habe dem Wald einige verdreckte Hosen zu verdanken und viele schöne Naturerlebnisse – und die möchte ich mit meinen Freunden teilen.“

martin(at)toenniessen.de


Radiointerview mit Martin (wma)

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Anne Bente Schnoor, Baumkönigin 2017


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