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Trauben-Eiche ist Baum des Jahres 2014!


Berlin. Dr. Silvius Wodarz, Präsident der Baum des Jahres Stiftung hat am 24.10.13 in Berlin die vom „Kuratorium Baum des Jahres“ vorgeschlagene Trauben-Eiche, Quercus petraea, zum Baum des Jahres 2014 ausgerufen.


Foto: A. Roloff

Die Trauben-Eiche ist Baum des Jahres 2014


Damit wurde zum 26. Male ein „Baum des Jahres“ proklamiert. Die Schirmherrschaft hat Carsten Wilke, Präsident des Dt. Forstvereins  übernommen. Als Deutsche Baumkönigin 2014 stellte Miriam Symalla die Trauben-Eiche bei der Feier im Berliner Zoo vor.

„Eichen kommen 300 Jahre, stehen 300 Jahre und vergehen 300 Jahre,“ heißt es im Volksmund. Damit ist eine Besonderheit  der Trauben-Eiche (Quercus petraea, gesprochen peträa) bereits genannt: ihre besonders hoher Lebenserwartung. Sie kann über 1.000 Jahre alt werden.

Im Gegensatz zur Stiel-Eiche, die 1989 zum ersten „Baum des Jahres“ ausgerufen worden war, sind bei der Trauben-Eiche die Früchte fast ungestielt, eben „traubig“. Weitere Unterschiede zeigen die Blätter, hier besonders Ausbuchtung und Stiel-Länge.
In der Wuchsform unterscheiden sich alte Stiel- und Trauben-Eichen jedoch kaum. Beide beeindrucken im Alter durch eine mächtige breite Krone mit knickigen dicken Ästen. Die Trauben-Eiche neigt etwas mehr zum geraden Stamm, weshalb sie oft höhere Preise erzielt (Furnier-Eiche). In der Wissenschaft wird inzwischen aber sogar darüber diskutiert, ob Stiel- und Trauben-Eiche überhaupt verschiedene Arten sind – und passend dazu zeigen die Eichenblätter auf den 1-, 2- und 5-Cent-Münzen eine Eiche, die eindeutig zugleich Stiel- und Trauben-Eiche ist…
Erst im Alter von 20-40 Jahren erscheinen die unauffälligen Blüten. Dagegen sind die Früchte, die Eicheln, sehr markant. Sie fallen ab Oktober und sind sehr nahr- und für viele Tierarten schmackhaft. Kleinsäugern (z.B. Eichhörnchen) und Vögeln (z.B. Eichelhäher) verbreiten sie durch die Anlage von Wintervorräten, von Wildschweinen werden sie untergewühlt. Haustiere fütterte man früher, indem man sie in den Wald trieb. Da die Eichen alle paar Jahre besonders viele Früchte gleichzeitig an allen Bäumen entwickeln, spricht man von Eichen“mast“, durch die dann die Schweine ge“mästet“ wurden. „Auf den Eichen wachsen die besten Schinken“ heißt es manchmal auch heute noch.

In Notzeiten hat man aus Eicheln Mehl, Kaffeeersatz u.a. hergestellt. Botanisch  handelt sich bei Eicheln um Nüsse.

Eichen sind Pfahlwurzler; sie entwickeln eine steil nach unten wachsende Hauptwurzel, durch die die Bäume sehr sturmfest werden. Empfindlich sind Eichen allerdings, wenn an ihrem Standort ein zuvor relativ gleichbleibender Grundwasserspiegel in kürzerer Zeit absinkt oder ansteigt.


Ökologie und Vorkommen

Das natürliche Verbreitungsareal der Trauben-Eiche erstreckt sich über fast ganz Europa außer Spanien, Nordskandinavien und Nordosteuropa. Es reicht nicht so weit nach Osteuropa wie das der Stiel-Eiche.
Die Standorte der Trauben-Eiche sind tendenziell trockener und nährstoffärmer als die der Stiel-Eiche. In der Jugend sind Eichen wenige Jahre schattentolerant, dann nimmt ihr Lichtbedarf aber schnell zu, so dass sie in dichteren Beständen bald eingehen. Daher ist in der Forstwirtschaft waldbauliches Können erforderlich, wenn die Eichen im Mischbestand mit anderen Baumarten über Jahrhunderte erhalten bleiben sollen.

Die Kronen sind relativ lichtdurchlässig, was vielen anderen Pflanzen am Waldboden unter Eichen das Überleben erleichtert. Häufig kommen Efeu oder Geißblatt am Stamm von Eichen vor; auch sie profitieren von den lichten Kronen.
Eichen werden gerne als „Tierheim der Natur“ bezeichnet: Ein sehenswerter Bewohner ist z.B. der mit Fühlern über 10 cm lange Große Eichenbockkäfer. Wohl keine andere Baumart bietet für so viele Tierarten Lebensraum wie die Eiche, alleine an Insekten sollen es über 500 Arten sein.

Einige Insektenarten – vor allem Raupen von Frostspanner, Eichenwickler und Schwammspinner – führen allerdings regelmäßig einen Kahlfraß durch, so dass die Eichen ein 2. Mal austreiben müssen. Dieser 2. Austrieb ist kein Problem, solange er nicht regelmäßig jedes Jahr erfolgen muss und gleichzeitig noch mit anderen Schadereignissen wie Spätfrost oder Wurzelschäden einhergeht – dann allerdings können Eichenbestände sogar absterben.
Auch Pilze lieben Eichen, darunter Sommer-Steinpilz, Kaiserling und Eichen-Rotkappe. In Süddeutschland kann man an Trauben-Eichen echte Trüffel finden oder züchten.
Bei der Eiche gibt es (wie bei Pappel und Weide) sog. Absprünge – die Bäume werfen im Sommer ganze Zweige mit grünen Blättern ab, um die Verdunstungsfläche zu reduzieren, wenn es zu trocken wird. Das macht den Eindruck einer Krankheit, ist aber lediglich eine Art Schutzreflex.

Nutzung, Verwendung, Heilkunde

Bei der Nutzung steht ganz klar das Holz im Mittelpunkt. Im Kern sind fäulnishemmende Stoffe eingelagert, die das harte Holz sehr dauerhaft machen. Daher war es früher z.B. für Schiffsbau und Fachwerkhäuser so begehrt, dass in England die Eichen bis ins 18./19. Jahrhundert immer mehr dezimiert wurden –für ein einziges Kriegsschiff benötigte man damals mindestens 1.200 alte Eichen.
Pfahlbauten und Gebäude auf feuchten Standorten standen früher meist auf Eichenpfosten. Die Hamburger „Speicherstadt“ am Hafen z.B. steht seit über 100 Jahren auf 3,5 Mio. Eichenstämmen. Auch die Hamburger Elbphilharmonie steht auf 12 m langen Eichenpfählen, die zu Bismarcks Zeiten in den Elbesand gerammt wurden.
Eichenholz wird zudem für Kübel und Fässer (Whiskey, Sherry, Wein) genutzt, in Fachwerkhäusern, als Möbelholz („Eiche rustikal“) – sowie für Vertäfelungen, Türen, Fenster, Treppen und Fußböden. Der Spitzenpreis kann bei Furnierstämmen bis über 3.000 Euro pro m3 erreichen.
Eichenrinde gehört zu den gerbstoffreichsten Pflanzengeweben (Gehalt bis 20%), was man sich in Naturheilkunde und Ledergerberei nutzbar macht(e). Die Rinde wirkt auf Wunden aufgelegt blutungsstillend und infektionshemmend, als Tee gegen Durchfall, Blutungen, Leber- und Milzleiden sowie Vergiftungen, als Gurgelwasser gegen geschwollene Mandeln, Zahnfleischentzündungen und zur Festigung des Zahnfleisches, als Badezusatz gegen Hautentzündungen, Hämorrhoiden und Ekzeme.

Trauben-Eichen haben sich als Stadtbaum sehr bewährt, da sie immissions- und salztolerant sind. Als Solitär und in städtischen Alleen können sie ihre Wirkung besonders gut entfalten. Was wäre ein landwirtschaftliches Anwesen ohne Eichen als Hofbäume?
Bei der Verwendung von Eichen als Straßenbaum außerhalb der Stadt muss man allerdings bedenken, dass im Herbst mit den Eicheln das Wild an die Straße gelockt wird und dies zu Wildunfällen führen kann.

Krankheiten und Schäden

An den Blättern können sich eindrucksvolle, kugelrunde Gallen der Eichengallwespe entwickeln. Die Blätter bleiben jedoch voll funktionsfähig. Den Blättern an den Juni-Trieben macht regelmäßig „Mehltau“ zu schaffen, ein Blattpilz, der wie ein weißlicher Belag aussieht.
Bei der derzeit zu beobachtenden Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners ist weniger der Schaden für den Baum durch den Laubfraß bedeutsam als das Gesundheitsrisiko für Menschen, denn die Gifthaare der Raupen können starke Hautallergien und Hautentzündungen auslösen.

Mythologie und Brauchtum

Keine andere Baumart ist so vielfältig mit Mythologie und Volksglauben verbunden wie die Eiche. Sie ist der Inbegriff von Standfestigkeit, Kraft und Stärke. Das Eichenblatt gilt als Symbol für Beständigkeit, daher auch seine Darstellung auf vielen Münzen, Wappen und Urkunden. Wer eine Eiche pflanzt, glaubt an die Zukunft, denn den ausgewachsenen Baum werden erst die Ururur…enkel erleben.

Bäuerliche Wettersprüche

Die Wetterregel
Treibt die Eiche vor der Esche, gibt's im Sommer große Wäsche,
treibt die Esche vor der Eiche, folgt im Sommer große Bleiche

soll vorhersagen, ob der Sommer nass oder trocken wird. Mathematisch steht dahinter, dass zwei Ereignisse, von denen jedes mit etwa 90%-iger Wahrscheinlichkeit eintritt (das Austreiben der Eiche vor der Esche und die in Mitteleuropa meist feuchten Sommer), in der Kombination mit 81%-iger Wahrscheinlichkeit eintreten.

Blitze schlagen gerne in Eichen ein, da sie einerseits mit ihrer Pfahlwurzel Kontakt zum Grundwasser haben und andererseits oft einzeln auf Wiesen oder an Plätzen stehen.
Das Sprichwort
Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen
ist trotzdem mit Vorsicht zu genießen, denn Blitze laufen an Buchen meist außen auf der nassen Rinde herab – also eventuell genau dort, wo man Schutz gesucht hat.
Die sehr große Verbreitung der Eichen geht aus etwa 1.500 deutschen Flur- und Ortsnamen hervor, wie z.B. Eichberg, Aichbichl und Achenkirch.
Und schließlich: Die Trauben-Eiche ist ein Baum der Zukunft, nicht nur in der Forstwirtschaft, denn die vorhergesagte Klimaänderung macht ihr wenig aus.

Mehr Informationen zum Baum des Jahres 2014, der Trauben-Eiche, erhalten Sie hier 

 

 


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